Wilhelm Blos (1849–1927)
Historiker, Schriftsteller und Staatspräsident

Im Alter von siebzig Jahren wurde der Journalist, Revolutionsgeschichtsschreiber und markante Unterstützer der Frauenbewegung Wilhelm Blos im Frühjahr 1919 zum ersten demokratischen Staatspräsidenten Württembergs gewählt. Als reformorientierter Sozialdemokrat und auf Ausgleich bedachter Bündnispartner der bürgerlichen Parteien wandte er sich nicht nur gegen die radikale Linke, sondern er legte auch besonderen Wert auf eine möglichst friedliche Lösung der revolutionären Situation nach dem Ersten Weltkrieg.
Wilhelm Blos wurde am 5. Oktober 1849 im badischen Wertheim geboren. Nach dem frühen Verlust seines Vaters wurde er von seinem Stiefvater misshandelt und schließlich gezwungen, die auf Umwegen ermöglichte Gymnasialbildung abzubrechen und eine Ausbildung zum Kaufmann zu absolvieren. Nach der Auszahlung eines kleinen väterlichen Erbes holte Blos das Abitur nach und studierte Geschichte und Germanistik in Freiburg. Doch schon nach wenigen Semestern waren seine finanziellen Mittel erschöpft. Er begann daher eine von vielen Ortswechseln geprägte Laufbahn als Journalist für unterschiedliche sozialistische Presseorgane. Aufgrund seines politischen Engagements in der Sozialdemokratischen Deutschen Arbeiterpartei (später SPD) wurde er wiederholt inhaftiert. Sein beruflicher Weg als Journalist führte ihn letztlich nach Hamburg, wo er als verantwortlicher Redakteur der Satirezeitschrift „Der wahre Jacob“ arbeitete. Als er im Zuge der Sozialistengesetze aus Preußen ausgewiesen wurde, kehrte er als politischer Journalist und Schriftsteller nach Stuttgart zurück.
Während seiner journalistischen und schriftstellerischen Karriere schrieb Wilhelm Blos Romane und historische Bücher zum Bauernkrieg und zur Revolution 1848/49, war aber auch als Übersetzer tätig. 1877 wurde er erstmals in den Reichstag gewählt und gehörte diesem mit kurzen Unterbrechungen bis 1918 an. Als Abgeordneter schlug er einen ausgleichenden Reformkurs ein, der ihn im Rahmen der krisengeschüttelten Nachkriegszeit zu einer wichtigen politischen Integrationsfigur machte.
Auf dem Höhepunkt des Stuttgarter Revolutionsgeschehens wurde er im November 1918 zum Vorsitzenden der Provisorischen Landesregierung ernannt. Wenige Monate später, im März 1919, wählte ihn die Verfassunggebende Landesversammlung offiziell zum württembergischen Staatspräsidenten. Blos bekannte sich in dieser schwierigen Krisenzeit trotz seines fortgeschrittenen Alters zu einer besonderen politischen Verantwortung. Nach einer empfindlichen Wahlniederlage der Sozialdemokraten im Juni 1920 legte Wilhelm Blos sein Amt nieder und zog sich danach zunehmend in den Altersruhestand zurück.
Er war seit 1905 mit der Lehrerin, Journalistin und SPD-Politikerin Anna Blos, geb. Tomaczewska, verheiratet.
Wilhelm Blos starb am 6. Juli 1927 im Alter von 77 Jahren in Stuttgart.
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Anregungen zum Weiterlesen:
- BLOS, Wilhelm: Die Deutsche Revolution. Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849, Stuttgart 1893.
- BLOS, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, 2 Bde., München 1914/1919.
- BLOS, Wilhelm/HAHN, Paul: Denkwürdigkeiten aus der Umwälzung, Stuttgart 1923.
- KRAUSE, Horst: Wilhelm Blos. Zwischen Marxismus und demokratischem Sozialismus in Geschichtsschreibung und Politik, Husum 1980.
- RIEPL-SCHMIDT, Mascha: Anna (1866–1933) und Wilhelm Blos (1849–1927), in: Reinhold WEBER/Ines MAYER (Hrsg.): Politische Köpfe aus Südwestdeutschland, Stuttgart 2005, S. 73–83.