Theo van Doesburg (1883–1931)

Begründer des „Elementarismus"

Theo van Doesburgs über das Bauhaus, nachdem seine Bemühungen um eine Berufung gescheitert waren:

„Von außen Quadrat – von innen Biedermeier.“

 

Der Architekt, Maler und Kunsttheoretiker Theo van Doesburg gilt als Pionier der abstrakten Kunst. Als Mitbegründer der niederländischen Künstlergruppe „De Stijl“ schuf er geometrisch konzipierte, ungegenständliche Werke. Mit seinen Privatkursen im Umfeld des Weimarer Bauhauses prägte er Studierende und Lehrende der jungen Kunstschule. 1930 definierte er erstmals den Begriff der „Konkreten Kunst“.

    Theo van Doesburg, der sich nach seinem Stiefvater Theodorus Doesburg benannte, wurde 1883 als Christian Emil Marie Küpper in Utrecht geboren. Bereits als Jugendlicher begann er zu malen und schulte sich autodidaktisch weiter. Seit 1912 arbeitete er als Kunstkritiker für verschiedene Zeitschriften, eine Tätigkeit, die schließlich zu dem Entschluss führte, selbst eine Zeitschrift herauszugeben. Nachdem er unter anderem Piet Mondrian (1872–1944), Vilmos Huszár (1884–1960) und Bart van der Leck (1876–1958) kennengelernt hatte, wurde dieses Vorhaben realisiert.

    Mit der Gründung der Künstlergruppe „De Stijl“ im Jahr 1917 erschien auch die gleichnamige Kunstzeitschrift. Gemeinsam mit Mondrian, Georges Vantergerloo (1886–1965) und weiteren Künstlern und Architekten setzten sich die Gründungsmitglieder zum Ziel, harmonisch in die Gesellschaft hineinzuwirken sowie Kunst und Leben miteinander zu verbinden. Eine Ablösung von traditionellen Kunstvorstellungen gehörte hierbei ebenso dazu wie eine konsequent ungegenständliche Formensprache. Elementare Prinzipien waren dabei der Bildaufbau mittels waagerechter und senkrechter Linien sowie die Verwendung der drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau sowie Schwarz, Weiß und Grau. Nicht allein mit der Veröffentlichung einer Zeitschrift sollten die Vorstellungen der avantgardistischen Künstlergruppe bekannt gemacht werden. Auch durch die Zusammenarbeit mit Designern wie Gerrit Rietveld (1888–1964) oder Architekten wie Jacobus Johannes Pieter Oud (1890–1963) fanden die Grundsätze von „De Stijl“ im Bereich der angewandten Kunst den Weg ins Alltagsleben der Menschen.

      Ab 1921 gab van Doesburg unweit des Gebäudes der ehemaligen Kunstgewerbeschule Weimar, in der sich seit 1919 die Unterrichtsräume des Bauhauses befanden, privaten Unterricht. Zahlreiche Bauhaus-Studierende meldeten sich für die Kurse an, in denen van Doesburg seine von Kasimir Malewtisch (1878–1935) beeinflussten konstruktivistischen Prinzipien erläuterte.

      Der Unterricht hob sich vom noch expressionistisch geprägten frühen Bauhaus ab und Schüler wie Marcel Breuer (1902–1981) profitierten von seinen neuen Ansätzen. Ausgehend von den Prinzipien des Mondrian’schen „Neoplastizismus“ entwickelte Theo van Doesburg Mitte der 1920er Jahre die Theorie der Gruppe weiter und bezeichnete diese fortan als „Elementarismus“. Hierbei sollte auch die dynamisierende diagonale Linie als wesentliches Kompositionselement einbezogen werden. Das stand im Gegensatz zu den dogmatischen Vorstellungen Mondrians. Im Streit um die Diagonale kam es schließlich 1925 zum Bruch zwischen Mondrian und „De Stijl“.

      Die Prinzipien des „Elementarismus“, die van Doesburg in einem Manifest von 1926 festhielt, wurden wesentlich für die „Konkrete Kunst“. Die Grundlagen dieser Kunstrichtung formulierte er 1930 in der einmalig herausgegebenen Zeitschrift „Art concret“. „Konkrete Kunst“ sollte im Idealfall auf geometrisch-mathematischen Grundlagen beruhen, keinen symbolischen Charakter besitzen und nicht wie die abstrakte Kunst von einer gegenständlichen Form ausgehend ins Ungegenständliche entwickelt werden.

        Der Gedanke des Gesamtkunstwerks prägte das Bauhaus unter Walter Gropius (1883–1969) von Beginn an. Auch Theo van Doesburg strebte danach, Malerei, Design und Architektur miteinander zu verbinden – so bei der Zusammenarbeit mit dem Architekten J. J. P. Oud. Er hoffte, eine ästhetische Einheit vom Briefpapier bis zum Haus zu schaffen. Das Portal der Villa „De Vonck“ in Noordwijkerhout schmückte van Doesburg mit einem abstrakten Mosaik aus farbig glasierten Backsteinen. Das Entrée erhielt einen Kachelboden aus schwarzweiß mäandernden Riemchen auf gelbem Grund.

         

        Nach seinem Umzug nach Paris arbeitete er an drei Projekten für Wohn- und Atelierhäuser. Von 1926 bis 1928 gestaltete er mit Sophie Täuber-Arp (1889–1943) und Hans Arp (1887–1966) den Vergnügungspalast „L’Aubette“ in Straßburg. Die Innenräume wurden zu einem dreidimensionalen Gemälde, in dem sich die Besucherinnen und Besucher innerhalb farbiger Rautenmuster bewegten.

         

        1931 wurde Theo van Doesburg in Paris gemeinsam mit Antoine Pevsner (1884–1962), Naum Gabo (1890–1977), Auguste Herbin (1882–1960) und Georges Vantongerloo (1886–1965) Gründungsmitglied der Künstlervereinigung „Abstraction-Création“, die später bis zu 400 Mitglieder haben sollte. Diese gehörten überwiegend dem Bereich der geometrisch-ungegenständlichen Kunst an.

        Theo van Doesburg starb am 7. März 1931 im Alter von nur 47 Jahren in Davos nach einem Herzanfall. Dies bedeutete zugleich das Ende der gesamten „De Stijl“-Bewegung.


        Anregungen zum Weiterlesen:

        • Danzker, Jo-Anne: Theo van Doesburg. Maler Architekt, München 2000.
        • Doesburg, Theo van: Grundbegriffe der neuen gestaltenden Kunst, München 1925.
        • Hedrick, Hannah L.: Theo van Doesburg: Propagandist and Practitioner of the Avant-Garde, 1909–1923, Michigan/USA 1980.
        • Warncke, Karsten-Peter: De Stijl. 1917–1931, Köln 1998.
        • Weyergraf, Clara: Piet Mondrian und Theo van Doesburg: Deutung von Werk und Theorie, München 1979.

        Links:


        Filmtipp:

        Theo van Doesburg: The Legacy behind Café de l’Aubette (YouTube)

        Autorin: Jutta Fischer, Metzingen / Aufbereitung für das Netz: Internetredaktion der LpB

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