Conrad Haußmann (1857–1922)

Führender Vertreter des württembergischen Liberalismus

Als überzeugter Demokrat und einer der führenden Politiker der liberalen württembergischen Volkspartei setzte sich Conrad Haußmann schon zur Zeit des Kaiserreichs für eine parlamentarische Reformpolitik ein. Er war mehr als dreißig Jahre lang sowohl auf Landes- als auch auf Reichsebene als Abgeordneter tätig, engagierte sich im Vorfeld des Ersten Weltkrieges für eine deutsch-französische Verständigung und avancierte als Vorsitzender des Weimarer Verfassungsausschusses zu einer treibenden Kraft bei der Ausarbeitung der demokratischen Reichsverfassung von 1919.

Conrad Haußmann entstammte einer altwürttembergischen Demokratenfamilie und wurde am 8. Februar 1857 in Stuttgart geboren. Sein Vater Julius war an der Revolution von 1848/49 beteiligt gewesen, sein Zwillingsbruder Friedrich sollte ebenfalls Reichstagsabgeordneter werden. Sein Sohn Wolfgang (*1903) führte diese liberale Familientradition fort und war von 1953 bis 1966 baden-württembergischer Justizminister. Nach dem Abitur absolvierte Conrad Haußmann ein Studium der Rechtswissenschaften in München, Zürich, Berlin und Tübingen. Im Anschluss an das Referendariat schloss er sich gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Friedrich einer Stuttgarter Anwaltskanzlei an.

1889 zog Conrad Haußmann erstmals in die Zweite Kammer des württembergischen Landtags ein. Ein Jahr später wurde er auch in den Berliner Reichstag gewählt. Schon in seiner Jugendzeit war er der liberalen württembergischen Volkspartei beigetreten und gehörte seit 1885 zu deren Führungszirkel. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Haußmann dann zu einem Vorreiter des Zusammenschlusses des linksliberalen Lagers zur Fortschrittlichen Volkspartei. Sowohl auf Landes- als auch auf Reichsebene machte er sich im Kaiserreich vor allem für eine Parlamentarisierung stark. Früh kritisierte er die deutsche Großmachtpolitik und versuchte, der außenpolitischen Isolation durch eine Annäherung an Frankreich entgegenzusteuern. Während des Ersten Weltkrieges avancierte Conrad Haußmann schließlich zum Sprachrohr der verständigungsbereiten Kräfte des liberalen Spektrums und zum Wegbereiter einer parlamentarischen Mehrheit für einen raschen Friedensschluss.

Der literarisch interessierte Conrad Haußmann war mit Hermann Hesse und Ludwig Thoma befreundet, mit denen er 1907 die politisch-literarische Zeitschrift „März“ gründete. Auf seine Initiative hin schrieben in der Zeitschrift auch prominente Franzosen wie Jean Jaurès und Anatole France.

In der schwierigen Übergangsphase zwischen den letzten Kriegstagen und der Gründung der Weimarer Demokratie wirkte Haußmann als Staatssekretär im letzten kaiserlichen Kabinett unter Prinz Max von Baden. Später wurde er nicht nur württembergischer Landesvorsitzender der neu gegründeten Deutschen Demokratischen Partei, sondern auch Mitglied und Vizepräsident der Weimarer Nationalversammlung. Als Vorsitzender des dortigen Verfassungsausschusses trieb er die Ausarbeitung der Weimarer Reichsverfassung zielstrebig voran – und blieb noch bis zu seinem Tod am 11. Februar 1922 im Alter von 65 Jahren in Stuttgart als Reichstagsabgeordneter aktiv.


Download der Kurzbiographie (PDF)

Anregungen zum Weiterlesen:

  • Aus Conrad Haußmanns politischer Arbeit, hrsg. von seinen Freunden, Frankfurt/M. 1923.
  • FRÖLICH, Jürgen: Conrad Haußmann (1857–1922), in: Reinhold WEBER/Ines MAYER (Hrsg.): Politische Köpfe aus Südwestdeutschland, Stuttgart 2005,
    S. 43–53.
  • HENNING, Friedrich: Conrad Haußmann (1857–1922), in: Erwin TEUFEL (Hrsg.): Große Stuttgarter: Gestalten aus fünf Jahrhunderten, Stuttgart 1996, S. 170–177.
  • RABENSTEIN-KIERMAIER, Karin: Conrad Haußmann (1857–1922). Leben und Werk eines schwäbischen Liberalen, Frankfurt/M. 1993.

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