Persönlichkeiten von Claus Schenk Graf von Stauffenberg bis Clara Zetkin

Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907–1944)

Claus Schenk Graf von Stauffenberg und sein Bruder Berthold (* 1905) gelten als die wichtigsten Vertreter des Widerstands gegen Adolf Hitler und die Diktatur der Nationalsozialisten. Doch ihn zum Vorbild eines überzeugten Demokraten zu stilisieren wäre ebenso verfehlt wie der Versuch, seinen persönlichen Mut und seine bündelnde Tatkraft im Rahmen der späten Opposition gegen das NS-Regime zu verkennen: Als eine zentrale Persönlichkeit des militärischen Widerstandes führte er nicht nur das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 aus, sondern er war auch entscheidend an den Planungen des letztlich gescheiterten Staatsstreichs „Operation Walküre“ beteiligt. Die Ziele der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 bestanden vor allem in der Wiederherstellung eines Rechtsstaates sowie der Beendigung des Krieges und der Judenverfolgung. Ihren Widerstand gegen Hitler bezahlten die beiden Brüder Stauffenberg mit dem Leben.
Frida Straub (1914–1986)

Das Leben von Frida Straub, geb. Renner, verlief so unspektakulär wie das vieler Frauen ihrer Generation auf dem Land. An einem Punkt aber hat sie besonderen Mut bewiesen und ein bemerkenswertes Zeichen gesetzt: Mitten im Zweiten Weltkrieg wehrte sie sich 1941/42 zusammen mit anderen Müttern aus der Gemeinde Geislingen bei Balingen gegen die Schließung des örtlichen katholischen Kindergartens durch die Nationalsozialisten. Frida Straub schrieb sogar einen Brief an den württembergischen Innenminister. Das kollektive öffentliche Vorgehen der jungen Frauen gegen die NS-Kindergartenpolitik ging als „Geislinger Weiberschlacht“ in die Geschichte ein.
Christiane Vetter (1962–2019)

Für die Wissenschaftlerin und Pädagogin Christiane Vetter war es von elementarer Bedeutung, schon in Kindertagesstätten Wege für eine gewaltfreie Erziehung aufzuzeigen und Kinder entsprechend von klein an zu begleiten. Diesen Ansatz von Gewaltprävention verstand sie nicht als verhandelbares Zusatzangebot, sondern als elementares Recht von Kindern. Christiane Vetter war Professorin für Soziale Arbeit in der Elementarpädagogik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Leiterin der gleichnamigen Studienrichtung. Neben der Pädagogik der Frühen Kindheit und der Friedenserziehung im Elementarbereich förderte sie vor allem auch den Prozess der Akademisierung des Berufs der Erzieherin bzw. des Erziehers.
Marianne Weber (1870–1954)

Als Frauenrechtlerin, Soziologin, Rechtshistorikerin und Politikerin kämpfte Marianne Weber für die rechtliche, soziale und politische Gleichberechtigung der Frauen. Sie engagierte sich in der bürgerlichen Frauenbewegung und leistete insbesondere als Rechtshistorikerin wegweisende Beiträge zur wissenschaftlichen Fundierung von Frauenrechten und Gleichberechtigung. Als Abgeordnete der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) hielt sie als erste Frau überhaupt am 15. Januar 1919 im Landtag von Baden eine Rede vor einem demokratisch gewählten deutschen Parlament.
Eberhard Wildermuth (1890–1952)

Als erster Wohnungsbauminister der Bundesrepublik zählt Eberhard Wildermuth zu den zentralen Figuren des Wiederaufbaus in Westdeutschland. Sein rasches und engagiertes Vorgehen gegen die drückende Wohnungsnot der Nachkriegszeit leistete einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des sozialen Friedens und der Demokratie. Geprägt vom südwestdeutschen Liberalismus und fernab parteipolitischer Grabenkämpfe legte Wildermuth großes Augenmerk auf die existenziellen Nöte der Menschen.
Joseph Wirth (1879–1956)

Als Demokrat, Vertreter des linken Flügels der Zentrumspartei und Reichskanzler wurde Wirth zu einem einflussreichen Verfechter der Weimarer Demokratie. In der Tradition des aufgeschlossenen badischen Katholizismus ebenso verwurzelt wie in der liberal-demokratischen Revolution von 1848/49, positionierte er sich entschlossen gegen die rechtsextremen Feinde der Demokratie. Von diesen als „Erfüllungspolitiker“ diffamiert und verfolgt, rief Wirth nach der Ermordung Walther Rathenaus zur Verteidigung der Demokratie auf und äußerte im Reichstag die bis heute viel zitierten Worte: „Da steht der Feind – und darüber ist kein Zweifel: Dieser Feind steht rechts!“ Aufgerieben zwischen der Last der Versailler Reparationsforderungen, der Überwindung der außenpolitischen Isolation Deutschlands, der entschiedenen Ablehnung des NS-Regimes und schließlich auch der Frage der deutschen Teilung, ist sein Lebensweg ein Spiegel der wechselvollen Entwicklung Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Leo Wohleb (1888–1955)

Leo Wohleb war ein südbadischer Politiker und als entschiedener Demokrat und Staatspräsident des von 1947 bis 1952 bestehenden Landes Baden eine zentrale Figur des politischen Neuanfangs nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch als Gründungsvorsitzender der Badischen Christlich-Sozialen Volkspartei (BCSV), der späteren CDU Badens, wurde er zur prägenden politischen Persönlichkeit und für viele Badener geradezu zur Verkörperung ihres Landes. Im Kampf um ein unabhängiges Baden exponierte er sich als bekanntester Gegner des 1952 vereinten Südweststaates.
Theophil Wurm (1868–1953)

Theophil Wurm war eine herausragende, gleichzeitig aber auch zwiespältige Persönlichkeiten des deutschen Protestantismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Einerseits widerstand er als Gegner des Nationalsozialismus und württembergischer Landesbischof den Eingriffen des NS-Regime in den Raum der Kirche und drängte nach 1945 auf eine Reform der vormals verhängnisvoll schwachen Organisation der Evangelischen Kirche. Andererseits vertrat er – selbst Kind des Deutschen Kaiserreichs – aber auch einen protes-tantischen Konservatismus und Nationalismus, der ihn lange Zeit auf Kompromisskurs zur nationalsozialistischen Bewegung hielt.
Clara Zetkin (1857–1933)

Als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Arbeiterbewegung und der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland und Europa kämpfte Clara Zetkin vor allem für die gesellschaftlichen Rechte und für die ökonomische Unabhängigkeit der Frauen. Der mitreißenden Rednerin und politischen Aktivistin gelang es, zu überzeugen – auch in ihrer Partei, der SPD. 1891 nahm diese die Gleichberechtigung der Frauen in das Parteiprogramm auf, 1895 stellte die SPD-Fraktion im Reichstag den Antrag auf ein allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht auch für Frauen. Nachhaltig wirkte Clara Zetkin in der Internationalen Frauen-bewegung. 1907 wurde sie auf der ersten Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen in Stuttgart zur Vorsitzenden des Internationalen Frauensekretariats gewählt und begründete zusammen mit Käte Duncker den Internationalen Frauentag, der 1911 unter dem Motto „Heraus mit dem Frauenwahlrecht“ erstmalig begangen wurde. Zetkin war überzeugte Pazifistin und kämpfte zusammen mit Rosa Luxemburg – anders als die Mehrheit ihrer Parteigenossen – gegen den aufziehenden Ersten Weltkrieg. Nach dem Zerwürfnis mit ihrer Partei in der Kriegsfrage wurde sie Kommunistin.