Robert Bosch (1861–1942)
Sozialer Unternehmer, Visionär und Mäzen

Anders als viele andere Unternehmer tat sich Robert Bosch nicht nur durch wirtschaftliche Erfolge, sondern auch durch ein ausgeprägtes soziales Interesse, überzeugtes Engagement für Gerechtigkeit und große Wertschätzung aufrecht vertretener Meinungen hervor. Er engagierte sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus und mahnte schon während der Weimarer Republik: „Wir Deutschen haben uns um Politik früher nicht gekümmert; so sind wir in den Krieg geraten und arm geworden. Lernen wir uns bescheiden und uns regieren. Lernen wir uns umstellen und die verbitternden Klassengegensätze beseitigen. Fange jeder einmal bei sich an. Kein Messias wird helfen, wenn wir uns nicht selbst helfen.“
Robert Bosch wurde am 23. September 1861 in Albeck bei Ulm als elftes von zwölf Kindern in eine liberale und weltoffene großbäuerliche Familie geboren. Nach einer Lehre zum Feinmechaniker arbeitete er sieben Jahre lang in einigen der führenden Feinmechanik- und Elektrowerkstätten Deutschlands, Großbritanniens und der USA. Im Alter von 25 Jahren eröffnete er seine eigene „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ in Stuttgart. Eine Reihe technischer Innovationen brachte dem Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg und wurde Grundlage einer raschen weltweiten Expansion.
Die Gewinne, die Bosch durch Rüstungsaufträge während des Ersten Weltkrieges erwirtschaftete, stellte er zu einem beträchtlichen Teil für soziale, technische und bildungspolitische Stiftungen zur Verfügung. Als Unternehmenspatriarch forderte er zwar einerseits Leistung, zahlte aber andererseits auch vergleichsweise hohe Löhne. Als einer der ersten Unternehmer in Deutschland führte er schon 1906 den Achtstundentag ein. Insbesondere ab 1920 folgte auch die Einrichtung vielfältiger Sozialleistungen und Wohltätigkeitseinrichtungen für seine Mitarbeiter.
Robert Bosch war ein Visionär, der sich in vielerlei Bereichen als Förderer und Mäzen engagierte und immer wieder große Summen für gemeinnützige Zwecke spendete. Ein besonderes Anliegen war ihm die Förderung der Schulen und Hochschulen, aber auch generell der Berufs- und Erwachsenenbildung. So war er 1919 Mitbegründer der Stuttgarter Volkshochschule. Im Gesundheitswesen förderte Robert Bosch vor allem die Homöopathie. Zu seinem 75. Geburtstag spendete er 5,5 Mio. Reichsmark für die Errichtung eines homöopathischen Krankenhauses, das im April 1940 als Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart eröffnet wurde.
Politisch war Robert Bosch der liberalen Demokratie verpflichtet und hatte durchaus Verständnis für die Anliegen der Sozialdemokratie. Während der Weimarer Republik setzte sich Bosch – einen dauerhaften europäischen Frieden und die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraumes vor Augen – für den internationalen Ausgleich ein. Er war leidenschaftlicher Unterstützer der Paneuropa-Bewegung, arbeitete in der „Deutschen Liga für den Völkerbund“ und trat mit besonderem Nachdruck für die deutsch-französische Verständigung ein. Das NS-Regime, dem sich Bosch gemeinsam mit seinen engsten Mitarbeitern aus ethisch-weltanschaulicher Überzeugung früh und entschieden widersetzte, machte die offene Weiterführung seiner Bemühungen zur Völkerverständigung jedoch bald unmöglich. Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 zog sich Bosch immer mehr ins Privatleben zurück, blieb aber politisch und sozial aktiv.
Früh erkannte der die Kriegsabsichten Hitlers und beteiligte sich an der Rettung jüdischer Mitarbeiter und anderer Verfolgter des Regimes.
Robert Bosch starb am 12. März 1942 im Alter von achtzig Jahren in Stuttgart.
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Anregungen zum Weiterlesen:
- BÄHR, Johannes/ERKER, Paul: Bosch. Geschichte eines Weltunternehmens, München 2013.
- HEUSS, Theodor: Robert Bosch. Leben und Leistung, Stuttgart 1946.
- LESSING, Hans-Erhard: Robert Bosch, Reinbek 2007.
- SCHOLTYSECK, Joachim: Robert Bosch und der liberaler Widerstand gegen Hitler 1933–1945, München 1999.
- THEINER, Peter: Robert Bosch. Unternehmer im Zeitalter der Extreme. Eine Biographie, München 2017.
Links:
Robert Bosch zur Einweihung des Robert-Bosch-Krankenhauses im Jahr 1940