Christiane Vetter (1962–2019)
Leben für eine gewaltfreie Erziehung und eine friedlichere Zukunft

Für die Wissenschaftlerin und Pädagogin Christiane Vetter war es von elementarer Bedeutung, schon in Kindertagesstätten Wege für eine gewaltfreie Erziehung aufzuzeigen und Kinder entsprechend von klein an zu begleiten. Diesen Ansatz von Gewaltprävention verstand sie nicht als verhandelbares Zusatzangebot, sondern als elementares Recht von Kindern. Christiane Vetter war Professorin für Soziale Arbeit in der Elementarpädagogik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Leiterin der gleichnamigen Studienrichtung. Neben der Pädagogik der Frühen Kindheit und der Friedenserziehung im Elementarbereich förderte sie vor allem auch den Prozess der Akademisierung des Berufs der Erzieherin bzw. des Erziehers.
Christiane Vetter wurde am 21. März 1962 in Gummersbach geboren. Sie wuchs in einem Pfarrhaus in Gummersbach-Dieringhausen (Oberbergischer Kreis) auf. 1974 zog sie mit ihren Eltern, einem Bruder und einer Schwester nach Emmerich an den Niederrhein um. Dort machte sie 1978 ihren Realschulabschluss, drei Jahre später erhielt sie die Hochschulreife zuerkannt. Sie nahm zunächst in Düsseldorf ein Studium der Sozial- und Religionspädagogik auf. Im Anschluss an dieses Doppelstudium zog sie nach Tübingen und studierte dort Diplom-Pädagogik. Nach Erfahrungen in pädagogischen Praxisfeldern, unter anderem bei der Dietrich-Bonhoeffer-Stiftung, und nach der berufsbegleitenden Promotion wurde sie von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg zur Professorin für Elementarpädagogik in Stuttgart berufen.
Für die Hochschule konzipierte Christiane Vetter die Ausstellung „Gesichter der Sozialen Arbeit“. Inzwischen als Dauerausstellung verstetigt, zeigt sie die Entwicklung zentraler Personen und Handlungsfelder der Sozialen Arbeit seit dem 19. Jahrhundert und vermittelt damit die Entwicklung des Berufes und der Wissenschaft der Sozialen Arbeit.
Christiane Vetter lebte alleine in ihrer Wahlheimat Tübingen, aber sie war nicht allein. Ihre Interessen für Menschen und Begegnungen, ihr Engagement für soziale und politische Themen brachten sie mit vielen Menschen zusammen – beim Spiel und in der Musik, beim Wandern und Flanieren, bei ihrem Engagement für den Förderverein „Berghof Peace Education / Institut für Friedenspädagogik“, in der Friedenserziehung, in Fachgesprächen oder in der Gedenkstättenpädagogik. So setzte sie sich intensiv mit der Erinnerungskultur und dem Ausmaß von Gewalt im NS-Regime auseinander. Mit Studierenden der Hochschule verfolgte sie 2019 auf einer Exkursion Spuren des Lebens und Wirkens des jüdischen Kinderarztes, Pädagogen und Waisenhausleiters Janusz Korczak, der im August 1942 im nationalsozialistischen Vernichtungslager Treblinka ermordet wurde.
Christiane Vetters Leidenschaft galt über viele Jahre der Friedenserziehung im Elementarbereich. Neben zahlreichen anderen Aktivitäten hat sie das baden-württembergische Projekt „KITA 2020“ mitgeprägt. Ziel des auf fünf Jahre angelegten Pilotprojekts war es, die Qualifizierung von Projektbegleiterinnen und -begleitern sowie die Beratung zur Gewaltprävention in der frühen Kindheit auf den Weg zu bringen. Studierende von Christiane Vetter waren seit 2014 systematisch in das Projekt eingebunden. 45 Kindertagesstätten im Land nahmen an der Pilotphase teil. Dabei wurden Arbeitshilfen zur Gewaltprävention im Kontext interkulturell und interreligiös sensibler Bildung erarbeitet und veröffentlicht. Beim Deutschen Präventionstag wurden das Projekt, seine demokratieförderlichen Auswirkungen auf Kitas und Studierende der Sozialen Arbeit sowie die Übertragung des bedarfs- und bedürfnisorientierten Ansatzes der Gewaltprävention vorgestellt.
Christiane Vetter starb am 5. November 2019 im Alter von 57 Jahren in Tübingen.
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Anregungen zum Weiterlesen:
AUER, Klaus/VETTER, Christiane: KITA 2020: Das Recht des Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung, in: Hans-Juergen KERNER/ Erich MARKS (Hrsg.): Internetdokumentation des Deutschen Präventionstages, Hannover 2009.
VETTER, Christiane: Zugänge zur Welt eröffnen. Gewaltprävention als Mittel frühkindlicher Erziehung und Bildung, in: Blätter der Wohlfahrtspflege 4/2015, S. 144–146.
VETTER, Christiane: Weil Gewalt in der Erziehung bagatellisiert wird. Interview, in:
Kindergarten heute 11-12/2015, S. 8–12.