Leo Wohleb (1888–1955)

Pädagoge, Politiker und Staatspräsident Badens

Leo Wohleb war ein südbadischer Politiker und als entschiedener Demokrat und Staatspräsident des von 1947 bis 1952 bestehenden Landes Baden eine zentrale Figur des politischen Neuanfangs nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch als Gründungsvorsitzender der Badischen Christlich-Sozialen Volkspartei (BCSV), der späteren CDU Badens, wurde er zur prägenden politischen Persönlichkeit und für viele Badener geradezu zur Verkörperung ihres Landes. Im Kampf um ein unabhängiges Baden exponierte er sich als bekanntester Gegner des 1952 vereinten Südweststaates.

Leo Wohleb wurde am 2. September 1888 in Freiburg im Breisgau geboren und wuchs mit zwei Geschwistern in einer katholischen Familie auf. Nach dem Abitur am Berthold-Gymnasium in Freiburg schloss er 1912 ein Studium der Fächer Latein und Griechisch ab und begann eine Laufbahn als Lehrer am heimischen Berthold-Gymnasium. Wohl wegen seiner Körpergröße von nur 1,55 Metern wurde er für den Militärdienst als untauglich befunden und blieb von der Einberufung zum Ersten Weltkrieg verschont. Interessiert an sozialpolitischen Fragen, engagierte er sich während des Krieges auch ehrenamtlich bei der Versorgung der Stadt Bruchsal, wo er seit 1914 als Lehramtspraktikant arbeitete. In Anerkennung seiner Leistungen als Lehrer und seines sozialen Engagements wurde er 1918 ins Unterrichtsministerium nach Karlsruhe versetzt, wo er seine Frau Anna Maria Clarer kennenlernte. 1920 kehrte er in den Schuldienst am Berthold-Gymnasium zurück und publizierte wissenschaftliche Abhandlungen sowie eine Lateingrammatik. 1930 wurde er zum Gymnasialdirektor in Donaueschingen berufen.

Anders als viele seiner Berufskollegen bekannte er sich auch in öffentlichen Reden klar zur Weimarer Demokratie und engagierte sich in der Paneuropa-Bewegung. 1931 ging Wohleb als Referent für Alte Sprachen ans badische Kultusministerium in Karlsruhe und blieb dort auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten. 1934 führte jedoch eine Auseinandersetzung mit dem NSDAP-Gauleiter Robert Wagner zu seiner Suspendierung. Er wurde als Direktor an ein Gymnasium in Baden-Baden versetzt, dort vom NS-Regime kritisch beobachtet, aber als einer der wenigen Schuldirektoren wurde er nie NSDAP-Mitglied.

Nach Kriegsende war Wohleb einer der wenigen unbelasteten Beamten des höheren Dienstes und wurde bald als Leiter der Abteilung für Kultus, Hochschulen und Künste in den Neuaufbau der badischen Kultusverwaltung eingebunden. Auch parteipolitisch engagierte er sich nun und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der überkonfessionellen Badischen Christlich-Sozialen Volkspartei, deren Vorsitz er übernahm. Als guter Redner warb er für die bewusst badisch aufgestellte, neue Partei und verhalf ihr bei den ersten Kommunalwahlen zur absoluten Mehrheit. Im Dezember 1946 ernannte ihn die französische Militärregierung zum Präsidenten des Staatssekretariats (der vorläufigen Landesregierung also) und zum Staatssekretär für Kultus und Unterricht. Nach der ersten Landtagswahl im Mai 1947 wurde Wohleb vom badischen Landtag zum Staatspräsidenten gewählt. Im Amt pflegte er eine um Kompromisse bemühte Haltung zur französischen Besatzungsmacht und wurde deshalb von politischen Gegnern auch als „Franzosenknecht“ kritisiert. In der Bevölkerung hingegen war er wegen seiner zugewandten Art, aber auch wegen seiner Erfolge beim Wiederaufbau des Landes beliebt.

Gemäß der Badischen Verfassung und seines heimatverbundenen Selbstverständnisses sah sich Wohleb als „Treuhänder der badischen Überlieferung“ dem Auftrag verpflichtet, den gesamtbadischen Staat aus der Zeit vor 1933 wieder zu errichten. Als die Pläne eines vereinten Südweststaates immer konkreter wurden, setzte sich Wohleb mit kämpferischer Vehemenz für die Wiederherstellung des alten Landes Baden ein. Nachdem zahlreiche Verhandlungen nicht zuletzt an seinem Widerstand gescheitert waren, musste 1951 eine Volksabstimmung die Lösung bringen. Dabei konnte Wohleb in Südbaden zwar eine deutliche Mehrheit gegen den Südweststaat als seinen Erfolg verbuchen, doch im Gesamtergebnis aller südwestdeutschen Übergangsländer sprach sich eine Mehrheit für ein gemeinsames neues Bundesland aus. Nach der Gründung Baden-Württembergs am 25. April 1952 und dem Ende des staatlichen Eigenlebens des Landes Baden ernannte Bundeskanzler Konrad Adenauer seinen Parteifreund Leo Wohleb zum Ersten Gesandten der Bundesrepublik in Lissabon.

Leo Wohleb starb auf einer Dienstreise als Diplomat, als er den portugiesischen Wirtschaftsminister bei einem Deutschlandbesuch begleitete, am 12. März 1955 im Alter von 66 Jahren in Frankfurt am Main.

Download der Kurzbiographie (PDF)

Anregungen zum Weiterlesen:

  • HOCHSTUHL, Kurt: Leo Wohleb. Pädagoge und Politiker, Leinfelden-Echterdingen 2009.

  • SCHADEK, Hans/ILGEN, Volker/SCHERB, Ute: Ein badisches Leben: Leo Wohleb, Freiburg im Breisgau 2002.

  • WÖHRLE, Tobias: Leo Wohleb. Eine politische Biographie, Karlsruhe 2008.

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