Walter Krause (1912–2000)

Vater der Gebiets- und Verwaltungsreform der Siebzigerjahre

Als Mann des Ausgleichs und der Mitte zeichnete sich Walter Krause zeitlebens durch einen sachorientierten politischen Stil aus. Der Sozialdemokrat prägte in zurückhaltender, aber maßgeblicher Weise die Geschicke Baden-Württembergs in den Jahren nach seiner Gründung. Mit seiner wegweisenden Gemeinde- und Kreisreform schuf er eine administrative Ordnung, die das Land bis heute kennzeichnet. Zudem brachte er eine Schulreform auf den Weg, die die konfessionelle Trennung im Bildungswesen aufhob und gleichzeitig der Chancengleichheit verpflichtet war. Sein Einfluss auf die inneren Strukturen Baden-Württembergs ließ ihn zum „Innenarchitekten“ des Bindestrichlandes werden.

Walter Krause wurde am 21. Dezember 1912 in München geboren. Er wuchs in Schlesien auf, fand aber Mitte der 1920er-Jahre in Mannheim eine zweite Heimat, wo er 1931 das Abitur ablegte. Schon während des naturwissenschaftlichen Studiums in Heidelberg engagierte er sich als Vorsitzender einer sozialistischen Studentengruppe und wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zwangsexmatrikuliert. Zunehmend suchte er nun Kontakt zu sozialdemokratischen Widerstandsgruppen. Seinen Berufswunsch Lehrer konnte Krause im NS-Unrechtsstaat nicht verwirklichen, sondern arbeitete stattdessen als Meteorologe beim Reichswetterdienst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte Krause als Dozent an der Mannheimer Ingenieurschule. Bereits im November 1945 trat er der SPD bei, wurde Mitglied des Mannheimer Kreisvorstands und 1952 schließlich Landtagsabgeordneter. Im Verfassungsausschuss wirkte er an der Formulierung der neuen Landesverfassung vom November 1953 mit. 1955 wurde er in Mannheim Bürgermeister für Kultur, Schule und Sport und setzte sich in diesem Amt besonders für Bildungsgerechtigkeit, das berufsbildende Schulwesen und die Erwachsenenbildung ein.

Seit Ende der 1950er-Jahre hatte Walter Krause führende Funktionen in der Landtagsfraktion der SPD inne. Von 1966 bis 1968 war er außerdem Landesvorsitzender seiner Partei. Als am 12. Dezember 1966 nach harten Verhandlungen mit der CDU („Nacht der langen Messer“) eine Große Koalition in Baden-Württemberg gebildet wurde, stieg Krause zum Innenminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten auf. Mit einer großen Schulreform, vor allem aber mit den 1973 und 1975 in Kraft getretenen Kreis- und Gemeindereformen setzte er Meilensteine in der Geschichte Baden-Württembergs und schuf Verwaltungsstrukturen, die den Prozess der „inneren Staatsgründung“ des jungen Bindestrichlandes vorantrieben. Bei der Landtagswahl 1972 errang die CDU die absolute Mehrheit im Land und konnte ohne Koalitionspartner regieren. Walter Krause wurde daraufhin erneut Vorsitzender seiner Fraktion und von 1973 bis 1980 stellvertretender Landtagspräsident.

Walter Krause starb am 4. Dezember 2000 im Alter von 79 Jahren in Mannheim.


Download der Kurzbiographie (PDF)

Anregungen zum Weiterlesen:

  • HOFFEND, Andrea: Walter Krause, in: Baden-Württembergische Biographien, Bd. 4, Stuttgart 2007, S. 190–193.

  • MÜLLER, Georg: Walter Krause. Ein Mannheimer für Baden-Württemberg, Ubstadt-Weiher 2003.

Gespräch mit Walter Krause, Abendschau 1964.

Zum Video (SWR Retro)

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