Mathilde Planck (1861–1955)

Friedenskämpferin, Frauenrechtlerin und liberale Politikerin

Mit ihrem vielfältigen politischen, sozialen und kulturellen Engagement zählt Mathilde Planck zu den bedeutendsten südwestdeutschen Frauenrechtlerinnen. Sie war eine der ersten weiblichen Abgeordneten im württembergischen Landtag und machte sich als Lehrerin, Journalistin und Vereinsgründerin einen Namen.

Mathilde Plank wurde am 29. November 1861 in Ulm in eine kinderreiche Familie geboren. Ihr Vater war Theologe, Philosoph und Gymnasiallehrer. In der demokratisch orientierten Familie galt der Grundsatz, dass alle Kinder – auch die Töchter – einen qualifizierten Beruf erlernen sollten. Die 18-jährige Mathilde stellte ihre Ausbildung nach dem frühen Tod des Vaters aber zugunsten der Familie zurück und sorgte für die pflegebedürftige Mutter und die jüngeren Geschwister. Mit 23 Jahren begann sie zusätzlich zu dieser Belastung die Ausbildung zur Lehrerin, damals der fast einzig mögliche Beruf für junge Frauen mit höherer Schulbildung. Nach dem Examen unterrichtete sie an privaten Schulen, darunter am 1899 gegründeten Stuttgarter Mädchengymnasium. Als Schulleiterin begleitete sie hier die ersten vier Schülerinnen, die in Württemberg das Abitur ablegen durften. Aus gesundheitlichen Gründen verließ Mathilde Planck nach 15 Jahren den Schuldienst, blieb aber zehn Jahre lang Vorsitzende des Württembergischen Lehrerinnenvereins. Hier kämpfte sie für die Gleichstellung weiblicher Lehrkräfte und gegen das Lehrerinnenzölibat, das verheiratete Lehrerinnen zur Berufsaufgabe zwang und auch in seinen abgemilderten Formen erst in den 1950er-Jahren endgültig abgeschafft wurde.

Mathilde Planck engagierte sich vor allem in der bürgerlichen Frauenbewegung. Sie war in zahlreichen Verbänden aktiv, übernahm im Verein „Frauenbildung – Frauenstudium“ den Vorsitz und gründete den Verband württembergischer Frauenvereine. Planck veröffentlichte Aufsätze und hielt Vorträge, etwa zur Teilhabe von Frauen im Bildungs- und Erwerbsbereich. Von der Politik forderte sie gleiche Rechte für beide Geschlechter, von den Frauen forderte sie die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Über ein Vierteljahrhundert gehörte Planck zu den bekanntesten Persönlichkeiten des „frauenbestrebten“ Württemberg. Dabei hatte sie oft „den Eindruck, dass die schwäbischen Frauen bei aller Tüchtigkeit für den geistigen Fortschritt nur langsam zu gewinnen waren“. Im Kampf gegen gesellschaftliche Doppelmoral stritt Mathilde Planck als Vorsitzende des Abolitionistischen Vereins gegen Prostitution und Alkoholmissbrauch. Lebenslanges Anliegen war ihr auch der Einsatz für Frieden und Völkerverständigung. Im August 1914 forderte sie im Kontrast zur allgemein herrschenden Kriegsbegeisterung Kaiser Wilhelm II. in einem Telegramm auf, jede kriegerische Auseinandersetzung zu vermeiden. Den Ersten und Zweiten Weltkrieg erlebte sie als schreckliche Niederlage der menschlichen Vernunft.

Nach dem Ersten Weltkrieg nutzte die fast Sechzigjährige das neu errungene Wahlrecht für Frauen als Chance zur aktiven Mitgestaltung. Mathilde Planck gehörte zu den Gründungsmitgliedern der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP), für die sie 1919 in die verfassunggebende Landesversammlung im Volksstaat Württemberg gewählt wurde. Bis 1928 war sie Abgeordnete im württembergischen Landtag, Mitglied im Fraktionsvorstand und kämpfte nun auch parlamentarisch für den sozialen Fortschritt. Wichtige Themen waren für sie Frauenpolitik, Erziehungs- und Schulfragen sowie ein liberalerer Strafvollzug. Hauptberuflich arbeitete Mathilde Planck in der Weimarer Republik als Journalistin. Sie war Redakteurin der Zeitschrift „Die Frauenwacht“ und von 1921 bis 1927 Herausgeberin der „Rosa Frau“, der Frauenbeilage des „Stuttgarter Neuen Tagblatts“. Aufgrund der großen Wohnungsnot engagierte sie sich zunehmend für den sozialen Wohnungsbau. 1921 hatte sie den Verein „Gemeinschaft der Freunde“, die Vorläuferin der heutigen Wüstenrot Bausparkasse, mitgegründet. Bis 1936 war sie die einzige Frau in Vorstand und Aufsichtsrat des gemeinnützigen Unternehmens.

1929 setzte sie den Bau eines modernen Altenwohnheims durch und leitete das Mathilde-Planck-Haus in Ludwigsburg. Als es 1936 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde, verlor sie Wohn- und Arbeitsort. Unter polizeilicher Beobachtung stehend und des Vaterlandsverrats verdächtigt, ging die Pazifistin in die innere Emigration. Im Alter von 75 Jahren baute sie ein Haus in Stuttgart und widmete sich der Herausgabe der Schriften ihres Vaters. Die NS-Gegnerin litt unter Rückzug, Vereinsamung und „Stummheit“, nachdem in Stuttgarter Tageszeitungen keine Texte mehr von ihr gedruckt wurden. Den Zusammenbruch des NS-Regimes verarbeitete sie 1947 in zwei kleinen Schriften. Als Anerkennung ihres großen Engagements wurde Mathilde Plank 1951 als erster Frau in der jungen Bundesrepublik das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Am 31. Juli 1955 starb Mathilde Planck im Alter von 93 Jahren in Gochsen bei Heilbronn.


Download der Kurzbiographie (PDF)

Anregungen zum Weiterlesen:

  • MEHNER, Johannes: Mathilde Planck (1861–1955), in: Birgit KNORR/Rosemarie WEHLING (Hrsg.): Frauen im deutschen Südwesten, Stuttgart 1993, S. 292–298.

  • PLANCK, Mathilde: Vom Sinn des Lebens, Ulm 1947.

  • RIEPL-SCHMIDT, Mascha: Mathilde Planck. Für Frieden und Frauenrechte, Leinfelden-Echterdingen 2009.

  • RIEPL-SCHMIDT, Mascha: Mathilde Planck 1861–1955, in: Menschen aus dem Land, hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Stuttgart 2005.

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