Der Architekt Adolf Schneck

Biographie (1883–1971)

Verleihung des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland an Adolf Schneck im Jahr 1959. Quelle: GNM DKA NL Schneck Adolf Gustav IA1-0005a

Im vierten Teil seiner Biographie geht es um Jahre 1947 bis 1983. Schnecks Wirken im Ausland, seine Auszeichnungen und letzten Lebensjahre.

Die nachfolgenden Stationen seines Lebens behandeln die Jahre:

England und Schweden

Adolf Schneck, aufgenommen um 1948 in Schweden, wahrscheinlich auf einem Besuch bei Freunden. Quelle: GNM DKA NL Schneck Adolf Gustav IA1-0016

1947

In einem Spruchkammerverfahren wird Schneck als „Mitläufer“ eingestuft. Zunächst wird er zu einem Bußgeld von 1500.- Reichsmark verurteilt, das nach seinem Einspruch auf die Zahlung der „Mindestsühne“ von 50.- Reichsmark an einen Wiedergutmachungsfonds reduziert wird. Allerdings wird in der Begründung des Urteils betont, es handle sich bei ihm um einen „Grenzfall“. Schneck habe keinen „politischen Kampf gegen die Nazi-Tyrannei“ geführt, habe aber private und berufliche Benachteiligungen erfahren. Für Schneck sagen in dem Spruchkammerverfahren die Architektenkollegen Keuerleber und Döcker aus. Der Herausgeber der Stuttgarter Zeitung, Erich Schairer, attestiert ihm ebenfalls eine „politisch einwandfreie Gesinnung“.

Schneck erhält vom renommierten Council of Industrial Design eine Einladung nach England. Hier tauscht er sich mit Vertretern von Industrie und Architektur über die Ausbildung von Innenarchitekten aus. Als Gastdozent reist er auf Einladung des schwedischen Staates auch nach Stockholm und Göteborg. Schneck interessiert sich im Ausland nicht nur für Kunst, Architektur und Kunstgewerbeschulen, sondern er will die Verbindungen zwischen den europäischen Ländern wieder herstellen und seinen Studenten den kulturell hohen Stand des Auslandes vermitteln.

Weiterhin erhält Schneck Aufträge für Wohn- oder Heimbauten und nimmt an Wettbewerben teil. Seine Wohnhäuser folgen einem konservativen Regionalismus.

Nachkriegsmoderne und Ruhestand

1948–1949 

Schneck ist Gründungsmitglied des neuen Werkbundes Württemberg-Baden. Er wird mit der Ausführung des Baus des Gehörlosenaltersheims in Stuttgart-Botnang beauftragt und nimmt am Wettbewerb für das neue Funkhaus Stuttgart auf dem Gelände der Villa Berg teil.

Von der Technischen Hochschule Stuttgart bekommt er die Ehrendoktorwürde verliehen. Für seinen Lehrberuf an der Kunstgewerbeschule erreicht er die Altersgrenze und tritt in den Ruhestand. Er wird Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

Schnecks Entwürfe verbinden typische Elemente der Nachkriegsmoderne mit der puristischen Ästhetik der Zwanzigerjahre. Komplizierte architektonische Experimente sind aufgrund der Baustoffknappheit und der materiell reduzierten Ansprüche der Kunden und Handwerker in diesen Jahren nicht gefragt. 1950 baut Schneck zwei Einfamilienhäuser für die Herausgeber der Stuttgarter Zeitung, Josef Eberle (Stuttgart-Vaihingen) und Erich Schairer (Stuttgart-Frauenkopf).

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Wohnungseinrichtungen

1951–1952

Erneute Einladung nach England zum Ersten Internationalen Design-Kongress in London. 1952 folgt die Ausführung der Neuanlage des Tierheims Stuttgart im Feuerbacher Tal in Stuttgart-Botnang sowie mehrerer Doppelwohnhäuser der Kreisbaugenossenschaft Nürtingen in Kirchheim/Teck.

In den 1950er-Jahren erhält Schneck von Privatpersonen mehrere Aufträge für Wohnungseinrichtungen. Darüber hinaus arbeitet er mit mehreren Möbelfabriken zusammen.

Schneck bemüht sich als Pensionär um einen Lehrauftrag für Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart. Sein Ansinnen wird aber vom Kultministerium abgelehnt.

Bauauftrag und Bundesverdienstkreuz

1953–1959 

Schneck erhält erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder einen größeren Bauauftrag. Von der DGK wird er mit dem Aufbau des zerstörten Friedrich-Hilda-Heims auf der Bühler Höhe (an der Schwarzwald-Hochstraße) beauftragt.

Es folgt ein privater Auftrag für ein Einfamilienhaus in Reutlingen. Gemessen am großen Baubedarf der Nachkriegszeit ist Schnecks Bautätigkeit aber von eher bescheidenem Ausmaß. Die weitgehend entpolitisierte Architekturszene der Fünfzigerjahre wird von jüngeren Kollegen bestimmt.

1953 Schneck erhält das Bundesverdienstkreuz.

Letzte Prokjekt in der Türkei

1954

wird Schneck in die Türkei eingeladen, wo er vom türkischen Unterrichtsministerium mit dem Aufbau der Kunstgewerbeschule in Istanbul beauftragt wird. Das Projekt wird 1958 abgeschlossen.

Parallel dazu nimmt er an einem Wettbewerb für eine Heilstätte in Bad Mergentheim teil.

Es ist das letzte Projekt des inzwischen 74-jährigen Architekten.

1959 erhält Schneck das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Zu seinem achtzigsten Geburtstag organisieren Studenten und Kollegen von Adolf Schneck im Juni 1963 einen Fackelzug in Stuttgart. Quelle: GNM DKA NL Schneck Adolf Gustav IB4-0001

Todestag

27. März 1971

Adolf Schneck stirbt in Schmiden bei Stuttgart.

Ausstellung zum Lebenswerk

1983

Zum 100. Geburtstag zeigt die Kunstakademie Stuttgart eine Ausstellung zum Lebenswerk des ungewöhnlich vielfältigen Handwerkers, Möbelentwerfers, Innenausstatters, Ausstellungsmachers, Architekten, Hoch- und Städtebauers, Hochschullehrers und Autors Adolf Schneck.

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Autor: Prof. Dr. Reinhold Weber, LpB / Aufbereitung für das Netz: Internetredaktion der LpB (Stand: Juli 2019)

 

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