Der Architekt Adolf Schneck

Biographie (1883–1971)

Blick in das Zimmer des Leiters der Vertretung Württembergs in der Berliner Hildebrandstraße. Die Innenausstattung des neuen Hauses hatte Adolf Schneck Ende der 1930er-Jahre geplant und durchgeführt. Quelle: Zeitschrift „Innendekoration”, Jg. 1941, Heft 8

Im dritten Teil seiner Biographie geht es um Jahre 1933 bis 1946 sowie um Schnecks Wirken und Arbeiten während der Zeit des Nationalsozialismus.

Die nachfolgenden Stationen seines Lebens behandeln die Jahre:

NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg

1933 bis 1944

Der Deutsche Werkbund wird 1933 aufgelöst und auf nationalsozialistischer Grundlage neu gegründet.

Schneck schreibt in seiner Autobiographie, er sei vor allem aufgrund seiner Häuser in der Weißenhofsiedlung und des „Hauses auf der Alb“ als „Bau-Bolschewist“ abgestempelt gewesen und habe keinen Neubauauftrag mehr erhalten.

Auch verweist er nach 1945 immer wieder darauf, dass er zum „linken Flügel“ der Architektenschaft gezählt und deshalb nach 1933 benachteiligt worden sei. Schneck ist aber weder Marxist noch Sozialist, sondern vor allem als sozial engagierter, bürgerlicher Liberaler einzuordnen.

In seinem Fragebogen des Military Government of Germany erklärt Schneck im Oktober 1945, er habe an der Reichstagswahl im November 1932 nicht teilgenommen. Im März 1933 habe er die Christlich-Soziale Volkspartei gewählt.

Zunächst muss sich Schneck auf seine Lehrtätigkeit beschränken. Seine Duldsamkeit gegenüber KPD- und SPD-orientierten Schülern an der Kunstgewerbeschule führt zu einer Anzeige bei der Gestapo durch einen Kollegen. Auch wird ihm ein „politischer Leiter“ zur Seite gestellt, der Schneck überwachen soll. Trotz ausgesprochener Drohungen tritt Schneck aber nicht dem NS-Dozentenbund bei. Die Leitung der Versuchsstätten an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule wird ihm entzogen, aber in der Öffentlichkeit ist er keinen persönlichen Angriffen ausgesetzt. Schneck erhält kein offizielles Bauverbot und er wird im Dezember 1933 unbeanstandet in die Reichskammer der bildenden Künste, eine der sieben Abteilungen der Reichskulturkammer, aufgenommen. Im selben Jahr tritt er auch der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV; Mitgliedschaft bis 1945) und dem NS-Lehrerbund (Mitgliedschaft bis 1938) bei.

Zwischen 1933 und 1935 ist Schneck am Umbau der Klinik Charlottenhaus und an zwei kleineren Neubauten beteiligt. An Wettbewerben nimmt er bis 1938 nicht mehr teil. Als Architekt will er nicht auffallen. Er zeigt sich als Pragmatiker und vereint unterschiedliche Baustile (Flachdach und Walmdach). Zum 1. Mai 1937 tritt Schneck in die NSDAP ein. In seinem Spruchkammerverfahren sagt er 1947 aus, er sei von seinen Studenten dazu überredet worden, um seine Innenarchitekturklassen erhalten und seine Schule vor dem Zerfall bewahren zu können. Sich selbst bezeichnet Schneck als „Opponent“ und „Defätist“.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kommt die private Bautätigkeit in Deutschland praktisch zum Erliegen. Ende der Dreißigerjahre wird Schneck wieder als Innenausstatter gefragt und publiziert auch wieder mehr Bücher. Zwischen 1937/38 und 1941 folgen staatliche Aufträge. Nach Vorüberlegungen seit Sommer 1937 stattet Schneck 1940/41 die Repräsentationsräume der Villa Reitzenstein, des Amtssitzes des Reichsstatthalters Wilhelm Murr (1888–1945) und des württembergischen Ministerpräsidenten Christian Mergenthaler (1884–1980), aus.

Als Innenausstatter wird er auch beim 1937/38 erfolgten Neubau der Vertretung Württembergs in der Hildebrandstraße 16 Berlin tätig. Die Pläne für den Umbau und die Innenausstattung des ursprünglich als Wohnhaus genutzten Gebäudes stammen von Schneck. Beauftragt wurde er für beide Projekte vom württembergischen Reichsstatthalter Murr. Schneck selbst beteuert nach 1945, er habe Murr zuvor nicht persönlich gekannt und habe den Auftrag angenommen, weil die staatliche Kunstgewerbeschule auch von früheren Regierungen mit öffentlichen Aufträgen versorgt worden sei. Darüber hinaus erhält Schneck Aufträge für Innenausstattungen von mehreren württembergischen Unternehmern.

Schneck plant nun auch sein zweites eigenes Privathaus in der Lenbachstraße 51 auf dem Stuttgarter Killesberg. Hier nimmt er die Errungenschaften des Neuen Bauens völlig zurück und arbeitet mit steilem Satteldach, Holzbalkon und Natursteinsockel. Zu verstehen ist dieser erzwungene Neubau nur vor dem Hintergrund des größten Bauvorhabens in Stuttgart während des Zweiten Weltkriegs. Auf dem Gelände der Weißenhofsiedlung soll das neue Generalkommando V des Heeres gebaut werden. Der NS-Oberbürgermeister Karl Strölin (1890–1963), der die Weißenhofsiedlung als „Schandfleck von Stuttgart“ und als „weltbürgerlichen Versuch“ bezeichnet hat, sieht darin die Chance, sich des prestigeträchtigen Symbols des Neuen Bauens der Weimarer Republik zu entledigen. Die Besitzer der Häuser am Weißenhof werden enteignet und entschädigt.

Ende 1938 wird ein Wettbewerb für das Vorhaben ausgeschrieben, zu dem auch Schneck – eventuell erneut auf Initiative Murrs – eingeladen wird. Weitere Teilnehmer am Wettbewerb sind Bonatz, Schmitthenner und andere Stuttgarter Architekten. Schneck ist kein Spezialist für ein derartiges Bauvorhaben, vor allem aber wären damit seine eigenen beiden Häuser in der Siedlung abgerissen worden. Sein Wettbewerbsbeitrag gilt als verschollen. Das Bauvorhaben „Generalkommando V des Heeres“ wird aufgrund des Kriegsausbruches nicht realisiert; der Sitz des Militärkommandos wird nach Straßburg verlegt.

1942 wird Schneck nochmals zu einem Wettbewerb eingeladen, der Anlage der Universitätskliniken in Tübingen. Das Planungsverfahren wird aber kriegsbedingt eingestellt.

Nominell, aber unter Beibehaltung der räumlichen Trennung, werden 1942 die Kunstgewerbeschule und die Kunstakademie zur „Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart“ zusammengelegt. Es entstehen zwei Abteilungen, eine für „freie“ und eine für „angewandte Kunst“. Schneck wird dabei von allen Planungen ausgeschlossen. Als einziger der Beamten an der Akademie ist er bereits 1938 im Gehalt zurückgestuft worden und wird auch nun nicht befördert. Nach 1945 erhält er dafür eine rückwirkende Entschädigung von 10.500 Mark. Seine Lizenzerlöse aus künstlerischen Entwürfen muss er zu Beginn der 1940er-Jahre nach langwierigen juristischen Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen NS-Stellen an die Staatskasse zurückzahlen.

Zum 1. November 1944 wird der Unterricht an der Akademie eingestellt. Schneck soll – wie alle Mitarbeiter der Akademie – im Rahmen des „totalen Kriegseinsatzes“ Arbeitsdienst in der Rüstungsproduktion, bei der Wehrmacht oder im Schuldienst leisten. Dem kann er sich entziehen. Stattdessen arbeitet er bis 31. November 1944 als ehrenamtlicher Leiter des studentischen Kriegseinsatzes für die Forschungsstelle „Deutscher Bauernhof, Reichsleitung Rosenberg, Berlin-Schöneiche“. Den Auftrag dazu erhält er vom württembergischen Kultministerium. Zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und zehn Studenten, die „Arbeitsdienst“ leisten müssen, soll er hier ländliche Kulturgüter in den Luftnotgebieten erfassen sowie eine Neuauflage eines seiner als kriegswichtig erachteten Bücher zum Möbelbau erarbeiten. Anschließend arbeitet er noch für die Deutsche Akademie für Wohnungswesen e. V., einer Forschungsstätte des Reichswohnkommissars. Hier hat er den Auftrag, Normen zur Durchführung des Wiederaufbaus der zerstörten Städte und Häuser zu entwickeln.

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Nachkriegszeit

Adolf Schneck, aufgenommen um 1948/49 im fränkischen Gunzenhausen, eventuell bei einem Kuraufenthalt. Quelle: GNM DKA NL Schneck Adolf Gustav IA1-0010

1945–1946 

Zum 1. Februar 1945 wird Adolf Schneck vom württembergischen Kultminister Mergenthaler zum zweiten Stellvertreter des Direktors der Kunstakademie, Fritz von Graevenitz, ernannt. Schneck gibt nun wieder Meisterkurse für Innenarchitektur und Möbelbau. Weil die Akademie der Bildenden Künste und auch Schnecks Privathaus in der Lenbachstraße durch Bombenangriffe stark zerstört wurden, hält Schneck die Kurse in seinem Privathaus in der Hermann-Kurz-Straße 14 ab. Ausgebildet werden vorerst zwölf Kriegsbeschädigte und eine Kriegerwitwe.

Von der amerikanischen Militärregierung erhält Schneck eine Lehrerlaubnis für Innenarchitektur und Möbelbau. Im Dezember 1945 ernennt ihn Kultminister Heuss zum geschäftsführenden Leiter der Akademie der Bildenden Künste. Zusammen mit Hugo Keuerleber baut Schneck die Kunstgewerbeschule Stuttgart wieder auf, deren Werkstätten im Krieg zerstört worden waren.

Seine Gesundheit leidet unter diesen enormen Anstrengungen. Seit Kriegsende ist er wiederholt in ärztlicher Behandlung. Im Frühjahr 1949, als die Werkstätten wieder weitgehend funktionstüchtig sind, muss er sich für die Dauer von drei Monaten krankschreiben lassen.

Schneck beteiligt sich am ersten Nachkriegswettbewerb der Stadt Stuttgart über den Aufbau der zerstörten Altstadt. Hier sieht er moderne Wohn- und Geschäftsgebäude mit Rastfassaden und Flachdach vor. Seine Pläne werden zwar ausgezeichnet, kommen aber wegen seiner zu großzügig geplanten Grünflächen nicht zur Realisierung.

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Autor: Prof. Dr. Reinhold Weber, LpB / Aufbereitung für das Netz: Internetredaktion der LpB (Stand: Juli 2019)

 

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