Der Architekt Adolf Schneck

Biographie (1883–1971)

Cover „Konstruktion des Möbels“. Einer der Lehrbuchklassiker von Adolf Schneck, mit denen er Generationen von Möbelbauern geprägt hat.

Im zweiten Teil seiner Biographie geht es um die Jahre 1928 bis 1932. Adolf G. Schneck veröffentlicht seine ersten Bücher über den Möbelbau und bekommt Bauaufträge für das "Haus auf der Alb" und eine Großbausiedlung in Wangen.

Weitere Stationen seines Lebens behandeln die Jahre:

Buchautor

1928

Schneck beginnt seine Laufbahn als Buchautor.

Bis 1933 erscheinen vier Bände in der Reihe „Das Möbel als Gebrauchsgegenstand“ (Bd. 1: Die Konstruktion des Möbels, drei Aufl., zuerst 1932; Bd. 2: Schrank, Tisch und Bett, drei Aufl., zuerst 1928; Bd. 3: Der Stuhl, drei Aufl., zuerst 1928; Bd. 4: Das Polstermöbel, drei Aufl., zuerst 1933) sowie zwei Bände in der Reihe „Die Bauelemente“ (Bd. 1: „Fenster aus Holz und Metall, sieben Aufl., zuerst 1933; Bd. 2: Türen aus Holz, Metall, Glas, fünf Aufl., zuerst 1933). Ein weiterer Band mit dem Titel „Der Stuhl“ (1928) entsteht als Katalog zur gleichnamigen internationalen Ausstellung im Auftrag des württembergischen Landesgewerbeamts, die Schneck zusammen mit Hugo Keuerleber in Stuttgart gestaltet. Hinzu kommen Bücher mit den Titeln „Das Möbel als Gebrauchsgegenstand“ (1928), „Die Zweizimmerwohnung“ (1933), „Konstruktion einfacher Möbel“ (1947) sowie „Neue Möbel vom Jugendstil bis heute“ (1962; mit einer Einleitung von Theodor Heuss).

Mit diesen Werken festigt Schneck seinen Ruf und Erfolg als Möbelfachmann. Über Jahrzehnte hinweg ist er einer der erfolgreichsten Möbelentwerfer und prägt auch als akademischer Lehrer bis weit in die Sechzigerjahre hinein ganze Generationen von Möbeldesignern weit über Deutschland hinaus. Schneck modifiziert auch den berühmten „Tübinger Stuhl“, der von der Firma Schäfer (heute Landestheater Tübingen) bis in die Fünfzigerjahre hinein gebaut wird und zum Prototyp der Neuen Sachlichkeit wird.

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Parallel dazu baut Schneck das „Haus Singer“ in Berwang/Tirol. Bei diesem Hotelneubau verwendet er zum ersten Mal das schlichte Rahmenmotiv und die horizontale Gliederung, die später kennzeichnend für seine Entwürfe für Erholungsheime werden.

Tübinger Stuhl. Ende der 1920er-Jahre modifizierte Adolf Schneck die Konstruktion des „Tübinger Stuhls“. Das Möbelstück wurde über Jahrzehnte hergestellt und diente vor allem als Standardmodell für die Bestuhlung von Gaststätten und Sälen. Foto: LpB

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Haus auf der Alb, Bad Urach

1929

Schneck erhält von der Deutschen Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime (DGK) den Auftrag für die Ausführung und Bauleitung des Erholungsheimes „Haus auf der Alb“ in Bad Urach, nachdem er den entsprechenden Wettbewerb gewonnen hat. Er schafft damit nicht nur ein bedeutendes Einzelbauwerk, sondern einen gültigen Typus für die Aufgabe „Erholungsheim“. Das „Haus auf der Alb“ wird Schnecks Chef d’Œuvre.

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Für seinen Entwurf für die Girokassen-Zentrale im Stuttgarter Zeppelinbau erhält Schneck den zweiten Preis. Das prestigeträchtige Projekt direkt gegenüber dem Hauptbahnhof wird zum Kampfprojekt zwischen „Konservativen“ und „Modernen“ in Stuttgart. Gebaut wird schließlich ein modernistischer Entwurf von Paul Bonatz.

Das „Haus auf der Alb“ nach der Fertigstellung im Jahr 1930. Foto: Sammlung Holder, Haus der Geschichte

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Stuttgarter Städtische Siedlung, Wangen

Luftbild der Stuttgarter Städtischen Siedlung in Wangen, um 1933. Zwischen 1930 und 1933 wurden hier in dreigeschossiger Zeilenbauweise fast 500 Einheiten für den sozialen Wohnungsbau erbaut. Foto: LMZ

1930

Für einen weiteren Wettbewerb der Stadt Stuttgart über eine Großsiedlung im Stadtteil Wangen erhält Schneck den ersten Preis. Das Projekt markiert jedoch das Ende der fortschrittlichen, experimentierfreudigen Siedlungspolitik der Stadt Stuttgart.

1931

Schneck wird erneut von der DGK mit dem Bau eines Erholungsheimes in Bad Wiessee beauftragt.

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Zerfall der architektonischen Avantgarde

1932

Beim Wettbewerb zum Wiederaufbau des nach einem Brand zerstörten Alten Schlosses in Stuttgart schlägt Schneck die vollständige Beseitigung der Reste und die Neugestaltung des gesamten Geländes (u. a. mit Grünflächen) vor. Den Wiederaufbau leitet dann jedoch der Architekt Paul Schmitthenner, der einer der aktivsten Propagandisten des 1929 von Alfred Rosenberg gegründeten „Kampfbundes für deutsche Kultur“ ist.

Schneck wird von der Württembergischen Metallwarenfabrik Geislingen (WMF) mit der Ausstellung „Metall und Glas“ in Stuttgart beauftragt. Das Unternehmen will damit zeigen, dass es mit seinen Produkten großen Wert auf künstlerische Gestaltung legt. Die Ausstellung wird auch in Berlin und Dresden gezeigt.

Zu Beginn der Dreißigerjahre zerfällt die Einheitlichkeit der Ziele und Konzepte der architektonischen Avantgarde. Die Moderne befindet sich in der Krise. Die führenden Architekten des Neuen Bauens entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen. Während sich die einen gegenüber den faschistischen Bewegungen und Regierungen als opportunistisch oder gar sympathisierend erweisen, flüchten die anderen aus Deutschland und Europa.

Adolf Schneck (am Steuer) mit den beiden berühmten Architekten Theodor Fischer und Nicolaus Hartmann d. J., aufgenommen in Soglio (Graubünden) in den 1930er-Jahren. Auf der Rückbank die Ehefrauen. Foto: GNM DKA NL Schneck Adolf Gustav IA1-0064a

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Autor: Prof. Dr. Reinhold Weber, LpB / Aufbereitung für das Netz: Internetredaktion der LpB (Stand: Juli 2019)

 

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