Kunst im „Haus auf der Alb“

Foto: Rose Hajdu, Stuttgart

Im „Haus auf der Alb“ befinden sich rund neunzig Kunstwerke. Etwas mehr als fünfzig davon sind Leihgaben aus dem Fundus des Regierungspräsidiums Tübingen. Die restlichen Werke sind Eigentum der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.

Die Bilder und Graphiken hängen in den Gemeinschafts- und Verwaltungsräumen, in den Gästezimmern, Fluren und im Treppenhaus.

Vor allem aus dem druckgraphischen Bereich sind zahlreiche renommierte Künstlerinnen und Künstler des 20. Jahrhunderts mit Arbeiten vertreten. So finden sich an den Wänden des Hauses Blätter von Max Ackermann, Max Bill, César Domela (1900–1992), François Morellet (1926–2016), Xanti Schawinsky, Anton Stankowski oder Victor Vasarely.

Malerei, Wandobjekte und Installationen sind durch Vertreterinnen und Vertreter der Gegenwartskunst präsent, wie beispielsweise Peter Barth (* 1939), Hannelore Fehse (* 1947) oder Irene Widmann (1919–2011). Vor allem Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die mit dem Land Baden-Württemberg oder dem Bauhaus-Gedanken verbunden sind, gehören zum Kunstinventar des Hauses.

Harmonischer Gesamtkontext im „Haus auf der Alb“

Die meisten Arbeiten im „Haus auf der Alb“ weisen eine konstruktiv-konkrete Formensprache auf, die neben dem Informel (der sog. „informellen Kunst“ als Sammelbegriff für die Stilrichtungen der abstrakten Kunst im Europa der Nachkriegszeit) für die Mitte des 20. Jahrhunderts charakteristisch ist. Mit Künstlern wie Schawinsky oder Bill sind Schüler des Bauhauses vertreten, mit Domela ein Mitglied der niederländischen De-Stijl-Gruppe. Die niederländische Gruppe von Malern, Architekten und Designern, unter anderem begründet von dem Maler Piet Mondrian und den Architekten Robert van’t Hoff und J. J. P. Oud, forcierte eine geometrisch abstrakte („asketische“) Darstellungsform mit einem auf Funktionalität beschränkten Purismus. Damit bestand eine enge ideen- und kunstgeschichtliche Beziehung zum deutschen Bauhaus.

Mit Darstellungen konstruktiv-konkreter Kunst befinden sich im „Haus auf der Alb“ Werke, die sich harmonisch in den Gesamtkontext des von Adolf Schneck realisierten Gebäudes einfügen. Klare Form und objektivierter Ausdruck bildender Kunst begegnen hier der modernen Ästhetik des Neuen Bauens und der europäischen Avantgarde.

Einzelne Künstler

Er war ein Schüler von Adolf Hölzel und gilt als einer der Wegbereiter der abstrakten Malerei. Er lebte und arbeitete u. a. in Hemmenhofen am Bodensee und in Stuttgart. Bis zum Berufsverbot durch die Nationalsozialisten 1936 konzentrierte sich Ackermann auf die abstrakte Malerei und den Konstruktivismus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichten seine Werke, vor allem seine druckgraphische Arbeiten, weltweit hohes Renommee. Für viele galt er als „Maler der Farbe Blau“. Seine Werke betitelte er häufig mit dem Tagesdatum.

Er war Architekt und höchst vielseitiger Künstler, Industriedesigner, Kunsttheoretiker, Hochschullehrer und politisch Engagierter, u. a. als Nationalrat der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Der gelernte Silberschmied studierte 1927/28 am Bauhaus in Dessau bei Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, Paul Klee und Josef Albers. Anschließend war er als Architekt, Bildhauer, Maler und Graphiker tätig. Er wurde rasch zu einem der wichtigsten Vertreter des „Neuen Bauens“ und der „konkreten Kunst“ (Gründung der Züricher Schule der Konkreten).

1950 war Max Bill neben Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher u. a. Mitbegründer der Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG), deren Schulgebäude er entwarf. Von 1952 bis 1957 war Max Bill Rektor der HfG und Leiter der Abteilung Architektur und Produktform. Die HfG war das deutsche Nachfolgeinstitut des Bauhauses und existierte bis 1968. Sie gilt als eine der fortschrittlichsten Ausbildungsstätten im Bereich Design und Umweltgestaltung.

Als Künstler versuchte Max Bill in seinen Farbobjekten, die Gattungsgrenzen zwischen Malerei und Plastik zu durchbrechen. Als Designer gestaltete er mehrere Klassiker wie z. B. die von Junghans produzierten Armband- und Wanduhren sowie den Ulmer Hocker (zusammen mit Hans Gugelot, 1954).

Von 1967 bis 1974 war Max Bill Professor für Umweltgestaltung an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. 1985 wurde er Vorsitzender der Bauhaus-Archivs in Berlin.

Er war ein Schweizer Maler, Fotograph, Grafikdesigner und Bühnengestalter, der von 1924 bis 1929 am Bauhaus in Weimar studierte und zum engeren Bauhaus-Kreis um Walter Gropius, Marcel Breuer und Herbert Beyer gehörte.

Ab 1927 war er Assistent von Oskar Schlemmer in der Bühnenwerkstatt und entwarf zahlreiche Bühnenbilder. Von 1929 bis 1931 leitete er die Grafikabteilung des Städtischen Hochbauamtes in Magdeburg. 1933 flüchtete er nach Italien, wo er unter anderem als Graphiker für die Unternehmen Illy Caffè, Cinzano und Motta tätig war.

Für die Firma Olivetti entwarf er berühmt gewordene Designs für Schreibmaschinen. 1936 musste er in die USA fliehen, wo er zunächst bis 1938 am berühmten Black Mountain College in Noth Carolina unterrichtete. Anschließend arbeitete er in New York als Ausstellungsgestalter, Werbegraphiker, Maler, Fotograph und Hochschullehrer.

Er machte sich vor allem als Graphikdesigner, Maler und Fotograph einen Namen.

Ab 1927 studierte er an der Folkwangschule in Essen. 1929 zog er nach Zürich und entwickelte dort die „konstruktive Graphik“. 1934 musste er die Schweiz verlassen und zog nach Lörrach bzw. Stuttgart.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Stankowski auf dem Stuttgarter Killesberg ein graphisches Atelier, wo er mit Künstlern wie Willi Baumeister, Max Bense, Egon Eiermann, Mia Seeger u. a. zusammenarbeitete. Stankowski arbeitete als Graphikdesigner u. a. für IBM und SEL.

Er gestaltete auch berühmte Wortmarken wie Signal Iduna und Viessmann. Später entstanden weltbekannte Zeichen wie das für die Deutsche Bank oder Rewe. Seit den späten 1970er Jahren widmete sich Stankowski vor allem wieder der Malerei.

Er war ein französischer Maler und Grafiker ungarischer Abstammung. Nach seinem Studium in Budapest besuchte er die vom Bauhaus inspirierte Mühely-Schule für Werbegrafik, die auch das ungarische Bauhaus genannt wird.

1930 zog er nach Paris, war dort vor allem als Werbegrafiker tätig und entwarf Plakate. Dabei arbeitete er vor allem mit grafischen Mustern und Illusionen des Raumes. Ab Mitte der 1940er-Jahre widmete er sich vorwiegend der Malerei mit Schachbrettmustern und figürlichen Motiven.

In den 1950er-Jahren entwickelte er sein Konzept der kinetischen Kunst. Im Zentrum stand dabei die Wiederholbarkeit als serielle Vervielfältigbarkeit sowie das Zusammenspiel von standardisierten Grundformen und Farben, die er immer wieder zu unterschiedlichen Mustern zusammensetzte.

Vasarely nahm mehrmals an der documenta in Kassel teil und entwarf unter anderem 1972 das Rautenlogo der Automobilfirma Renault sowie das Logo der Olympischen Sommerspiele in München. Vor allem aber war Vasarely in den 1960er-Jahren der Mitbegründer der künstlerischen Richtung Op-Art (optische Kunst), die die experimentellen Traditionen des Bauhauses und des russischen Konstruktivismus weiterführte. Sie ist gekennzeichnet durch die Arbeit mit präzisen abstrakten Formmustern und geometrischen Farbfiguren, die beim Betrachter zu überraschenden optischen Effekten und Täuschungen führt.

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Autorin: Jutta Fischer, Metzingen / Aufbereitung für das Netz: Internetredaktion der LpB (Stand: Juli 2019)

 

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