Dr. Georg Goldstein - Bauherr des Haus auf der Alb

Teil eins seiner Biographie (1877–1943)

Dr. Georg Goldstein als Direktor der DGK. Undatierte Zeichnung von Adolf Presber.

Der erste Teil der Biographie befasst sich mit Goldsteins Herkunft, Familie, Ausbildung und seiner Begegnung mit Joseph Baum.

Die nachfolgenden Stationen seines Lebens behandeln die Themen:

Georg Goldstein - ein fast "vergessener Name"

Georg Goldstein, der langjährige Direktor und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime (DGK), war in dieser Funktion der Planer und Bauherr des „Hauses auf der Alb“, einem der seinerzeit reichsweit zuletzt fast fünfzig großen Häuser dieser Gesellschaft.

Über seinen Namen könnte ein aufmerksamer Zeitgenosse, der das „Haus auf der Alb“ zum ersten Mal betritt, „stolpern“ (in des Wortes doppelter Bedeutung), indem er auf den „Stolperstein“ aufmerksam wird, der 2009 vor dem Eingang des „Hauses auf der Alb“ in den Boden eingelassen wurde – einer jener bundes- und inzwischen europaweit über 70.000 pflastersteingroßen Messingblöcke des Künstlers Gunter Demnig, die im Rahmen dieser Aktion an Opfer des Holocaust erinnern sollen, meist vor Häusern oder Wirkungsstätten ihrer einstigen Bewohner.

Goldstein hat nicht im „Haus auf der Alb“ gewohnt, aber ohne ihn stünde es dort wohl nicht. Der „Stolperstein“ misst seinen Lebensweg vom Ende her: Georg Goldstein wurde im August 1943 im KZ Auschwitz ermordet.

Der Stolperstein für Dr. Georg Goldstein vor dem Haus auf der Alb. Verzeichnet ist hier noch der Todesort Theresienstadt. (Foto: Hans-Perter Kuhnle)

Während der Name des Architekten Adolf G. Schneck, als dessen Opus magnum das „Haus auf der Alb“ gelten darf, von den mit dem Haus, seiner Verwaltung und Geschichte jeweils Betrauten stets im Munde geführt wurde, musste mit Georg Goldstein ein Erinnerungswürdiger zunächst buchstäblich dem Vergessen entrissen werden.

Noch bei der Einweihung des restaurierten Hauses im Februar 1992 – es war zwischenzeitlich unter Denkmalschutz gestellt und vom Land Baden-Württemberg erworben worden – war eine ganze Reihe illustrer Festredner von ihren Redeschreibern gleichermaßen mit dem Namen Adolf Schneck „geimpft“ worden, den es zu würdigen gelte, bis damals endlich der Architekt Hellmut Kuby, der die Restaurierung des Hauses geleitet hatte, als einziger Redner in seiner Ansprache die Rolle und Bedeutung Georg Goldsteins herausstellte und sein Schicksal beklagte, das er zuvor auf allerlei Wegen und mit großem Engagement erkundet hatte.

Dabei ist die Quellenlage sowohl in Sachen Goldstein wie auch der DGK, dem Lebenswerk Goldsteins spärlich. Eine deportierte Familie konnte, durfte nichts hinterlassen, man sollte sie ja „vergessen“.

Auch war Georg Goldstein ein Mann weniger des Wortes als vielmehr der Tat – und seine Taten zu rühmen verkniffen sich nach seinem Verschwinden natürlich die zuerst, die es, namentlich in seiner beruflichen Umgebung, hätten besser wissen können, indessen aber nach 1933 mitunter eine eher unrühmliche Rolle gespielt und schließlich die „Gleichschaltung“ der DGK 1933 willfährig begleitet hatten.

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Herkunft und Familie

Das Ehepaar Goldstein in der Wiesbadener Parkstraße 8. Fotografie um 1928. Privatbesitz.
(Sammlung Schweiger)

Dr. Georg Goldstein wurde am 19. Oktober 1877 in Breslau geboren. Auch seine Frau Margarethe, geborene Lasker, stammte aus Schlesien. Die Eltern und Großeltern beider waren gleichfalls in Breslau ansässig, die Berufe der Männer waren durchweg Kaufmann oder Rechtsanwalt. Die beiden Kinder Barbara und Franz kamen aber bereits in Wiesbaden zur Welt.

Die Goldsteins dürften wohl mustergültig den Typus des assimilierten bürgerlichen Judentums verkörpert haben. Im häuslichen Bereich schien man, wie Fotos belegen, wohl die religiösen Feste gefeiert zu haben, auch zählte ein angesehener Wiesbadener Rabbiner zu den Freunden des Hauses. Darüber hinaus aber war das Alltagsleben dominiert von Beruf und vielfältigem ehrenamtlichen Engagement beider Ehegatten wie auch der Kinder, und zwar sowohl in der jüdischen Wohlfahrtspflege wie auch im politischen und gesellschaftlichen Vereinsleben Wiesbadens.

Seder-Feier 1937 im Hause Goldstein. An der Stirnseite Georg Goldstein.
(Sammlung Schweiger, „Dad‘s Album“)

Im Gegensatz zu den Eltern überlebten die Kinder den Holocaust. Franz, als gerade 19-Jähriger nach der Pogromnacht im November 1938 kurzfristig in das KZ Buchenwald verschleppt und dort traumatisiert, konnte noch im Mai 1939 auf energisches Betreiben der Eltern nach England auswandern. Er zog nach dem Zweiten Weltkrieg nach Australien, um nie wieder nach Europa geschweige denn nach Deutschland zurückzukehren. In Australien leben heute noch drei Enkel, von denen mit Lee Hassan eine Enkelin 2012 der Einladung zur Einweihung der Georg-Goldstein-Schule in Bad Urach gefolgt ist. Tochter Barbara – sie hatte eine Ausbildung zur Erzieherin genossen – konnte einen Monat nach der Ausreise ihres Bruders mit einem Visum für Hausangestellte gleichfalls nach England emigrieren. Deren Söhne, Peter und Martin Schweiger, leben heute in London bzw. Manchester. Auch sie waren zur Schuleinweihung angereist, besuchen Deutschland, namentlich auch die Georg-Goldstein-Schule zwischenzeitlich regelmäßig – ein Beweis gelebter Versöhnung.

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Der Nationalökonom Georg Goldstein

Titelseite der von Georg Goldstein 1908 an der Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg vorgelegten Dissertation.

Die Begabungen und Interessen des jungen Georg Goldstein schienen vielfältig. Indessen schrieb er sich zunächst 1898 an der Königlich-Technischen Hochschule Berlin ein; ein Abschluss dort ist nicht dokumentiert. 1905 bis 1906 studierte er in Tübingen Nationalökonomie und anschließend bis 1908 Volkswirtschaft/Nationalökonomie an der Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg, wo er seine Studien als promovierter Volkswirt abschloss.

In seiner Dissertation behandelte er „Die Entwicklung der deutschen Roheisenindustrie seit 1879“. Sein erster Arbeitgeber war die preußische Regierung in Berlin.

Von entscheidender Bedeutung für seinen weiteren Lebensweg war aber wohl 1912 die Begegnung mit Joseph Baum, dem aus einer seit Generationen im Raum Wiesbaden ansässigen jüdischen Familie stammenden Textilfabrikanten, der am 16. Dezember 1910 einen illustren Kreis von Unternehmern und anderen Honoratioren zur Gründungsversammlung der DGK in die Geschäftsräume seiner eigenen Firma, der „J. M. Baum Nassauische Leinenindustrie“, eingeladen hatte.

Möglicherweise war Goldstein auf Baum aufmerksam geworden durch dessen Denkschrift „Ein soziales Problem des Kaufmannsstandes“, deren erste Auflage 1910 gleich eine beachtliche Verbreitung gefunden, nach wenigen Monaten bereits die zehnte Auflage und mithin sicherlich auch Berlin erreicht hatte.

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Der erste Teil der Biographie befasst sich mit Goldsteins Herkunft, Familie, Ausbildung und seiner Begegnung mit Joseph Baum.

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Autor: Hans-Peter Kuhnle, Neuffen / Aufbereitung für das Netz: Internetredaktion der LpB (Stand: Juli 2019)

 

SWR2-Reportage

 

100 Jahre Bauhaus
Ein Bauhaus-Schiff auf der Alb
3:51 min | 9.4. | 12.33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2
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